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Heute sind wir am neunten Tag des Monats Elul, des Monats vor Rosch Haschana – einer Zeit der Erneuerung und des Nachdenkens.

In der jüdischen Tradition hat Elul eine ganz besondere Bedeutung. In diesem Monat beginnen wir, uns auf die Hohen Feiertage vorzubereiten. Wir schauen nach innen, denken über unser Leben nach und fragen uns: Woher kommen wir, und wohin wollen wir gehen?

Der Name des Monats – Elul – wird als die hebräischen Initialen eines Ausdrucks aus dem Hohelied gelesen: Alef, Lamed, Vav, Lamed.

אֲנִי לְדוֹדִי וְדוֹדִי לִי

Ani Ledodi Vedodi Li
„Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir.“

Das ist ein Ausdruck der liebevollen Beziehung zwischen Gott und Israel. In dieser Zeit werden wir daran erinnert, dass unsere Beziehung zu Gott nichts Abstraktes oder Fernes ist. Es ist eine Beziehung, die wir stärken, erneuern und wieder in Ordnung bringen können.

Unsere Beziehung zu Gott ist nicht nur eine der Liebe, er ist auch unser König, wie wir es im chassidischen Ausdruck für diese Jahreszeit finden. „HaMelech BaSadeh“ – „Der König ist auf dem Feld.“ Normalerweise ist der König in seinem Palast. Wenn man zu ihm möchte, braucht man eine Einladung und muss sich vorbereiten. Aber im Monat Elul verlässt der König seinen Palast und kommt aufs Feld. Er ist erreichbar. Die Distanz zwischen dem König und den Menschen wird kleiner. Das ist ein starkes Bild für den Monat Elul: Gott ist uns näher, und der Weg zurück steht offen.

Aber vielleicht können wir dieses Bild auch anders verstehen. Die Frage ist nicht nur, ob Gott uns nahe ist. Vielleicht ist die wichtigere Frage:

Sind wir bereit, Gott wieder näherzukommen? Elul ist deshalb ein Monat der Bewegung. Und das wichtigste Wort für diese Bewegung ist Teschuwa.

Wir übersetzen Teschuwa meist mit „Buße“ oder „Umkehr“. Wörtlich bedeutet es aber „Rückkehr“.

Teschuwa bedeutet nicht nur, dass wir uns schuldig fühlen, weil wir etwas falsch gemacht haben. Es bedeutet, zurückzukehren – zu uns selbst, zu unseren Werten, zu anderen Menschen und letztlich zu Gott.

Manchmal entfernen wir uns von Menschen, die wir lieben.

Manchmal hören wir auf, darauf zu achten, was in uns selbst passiert.

Und manchmal sind wir so beschäftigt mit unserem Alltag – mit Arbeit, Verpflichtungen und all den Informationen, die ständig von außen auf uns zukommen –, dass wir vergessen, eine ganz einfache Frage zu stellen:

Ist das Leben, das ich führe, wirklich das, das ich führen möchte?

Teschuwa nicht nur mit der Vergangenheit zu tun hat. Sie hat auch mit der Zukunft zu tun.

Teschuwa ist keine einmalige Sache. Sie ist ein ständiger Wunsch, besser zu werden – ein lebenslanger Weg, auf dem wir uns in verschiedenen Lebensbereichen weiterentwickeln.

Wir arbeiten das ganze Jahr an uns selbst. Aber Elul verleiht diesem Prozess eine besondere Bedeutung.

Wenn wir uns dem Ende eines weiteren Jahres nähern, bekommen wir die Möglichkeit, innezuhalten und nachzudenken.

Elul kommt am Ende des jüdischen Jahres. Auch in der Natur ist dies eine Zeit des Übergangs.

Der Sommer geht langsam in den Herbst über. Die Tage werden kürzer. Wir spüren, dass sich etwas verändert.

In Israel geht die große Sommerhitze langsam zu Ende. Die Menschen warten auf den “Joreh”, den ersten Regen des Jahres. Nach dem langen und trockenen Sommer kann die Erde wieder neues Leben hervorbringen.

Auch hier in Braunschweig spüren wir bereits den Wechsel. Die Hitze lässt nach. Wir müssen nicht mehr ständig nach einem Ventilator oder einem kühlen Ort suchen.

Auch die Natur beginnt sich zu verändern.

Und der jüdische Kalender lädt uns ein, diese äußere Veränderung auch in eine innere zu verwandeln.

So wie die Natur von einer Jahreszeit in die nächste übergeht, lädt uns Elul dazu ein, uns zu bewegen – zurückzukehren, uns zu erneuern und vielleicht noch einmal neu anzufangen.